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Erfolgsfaktor Persönlichkeit

Nicht erst seit Corona haben viele Menschen das Gefühl, dass sich die Welt schneller dreht und Komplexität und Unvorhersehbarkeit stetig zunehmen.
Das Einzige, was wir selbst in der Hand haben, ist unsere Persönlichkeit: wir können sie erkunden und weiterentwickeln und damit der steigenden Ungewissheit etwas entgegensetzen. Wenn wir wissen, wer wir sind, was uns ausmacht und welchen Beitrag wir in der Welt leisten möchten, stärken wir unser inneres Urvertrauen und können der Unsicherheit um uns herum die Stirn bieten.

Der Autor Ilja Grzeskowitz (2018) geht in seinem Buch „Radikal Menschlich“ noch einen Schritt weiter. Er vertritt die These, dass gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung fast aller Lebensbereiche, die Rückbesinnung auf persönliche und berufliche Beziehungen und damit auf den einzelnen Menschen mit seinen Stärken und Schwächen der wichtigste Erfolgsfaktor der Zukunft sein wird.

Dazu fällt mir Martin Bubers Zitat „Der Mensch wird am Du zum Ich“ ein, das er bereits 1923 in seinem Werk „Du und Ich“ formuliert hat. Gemeint ist damit, dass der Mensch seine Ich–Identität als Resultat sozialer Erfahrungen mit seiner Umwelt, dem „Du“, bildet. Erst das Aufeinandertreffen mit einem „Du“ ermöglicht Erfahrungen der eigenen Sichtweisen und Selbstdefinitionen und fördert die Identitätsentwicklung.
Und da stellt sich doch gleich die Frage, wie das in Zeiten von Home-Office und zunehmender Vereinzelung gelingen kann….

In meiner täglichen Arbeit fällt mir dieser Trend mehr und mehr auf, da sich immer mehr Menschen über den Sinn ihres Tuns, ihre Werte und ihre inneren Motive Gedanken machen. Eine Tätigkeit muss heute mehr bieten als nur die Garantie, die monatlichen Kosten zu bestreiten und den Urlaub zu finanzieren.

Barack Obama hat es einmal so ausgedrückt: „Veränderung geschieht nicht, indem wir auf andere Menschen oder andere Zeiten warten. Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben. Wir sind die Veränderung, nach der wir suchen.“

Die Veränderung beginnt bei uns und vielleicht möchten Sie sich einmal mit folgenden Fragen auseinandersetzen:
-Bewusstheit: Bin ich mir der unterschiedlichen Facetten meiner Persönlichkeit bewusst?
-Motivation: Ist mir klar, was mich antreibt in meinem Leben?
-Ziel: Weiß ich eigentlich was ich will?
-Handlungskompetenz: Ist mir klar, wie ich meinem Ziel näherkommen kann?

Ich wünsche mir, dass Sie die Reflexion dieser Fragen – alleine oder gerne auch zu zweit – einen Schritt weiterbringen mag.

Gerne möchte ich Sie noch auf die Veranstaltungsreihe „OUT OF THE BOX“ der VHS-Frankfurt hinweisen, bei der ich am 18. November einen Abend gestalten werde: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/result?search=out%20of%20the%20box

Herbstlich bunte Grüße und bleiben Sie gesund
Ihre
Ariane Wahl

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Wenn ich einen Wunsch frei hätte….

Wenn ich als Coach nach all den Jahren, in denen ich im arbeitsweltlichen Kontext unterwegs bin, einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir eine entwicklungs- und menschenorientiertere Haltung in Organisationen wünschen.

Frederic Laloux, ein Pionier der modernen Organisationsentwicklung, hat sich in seinem Buch „Reinventing Organizations – ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“ damit beschäftigt, eine Form der Führung aufzuzeigen, in der Mitarbeiter*innen erfolgreich ihre Potenziale zum Wohle der Organisation entfalten und einsetzen können. Er vergleicht Organisationen mit der Natur und beschreibt sie als „evolutionär“, weil sich dort „der selbstorganisierende Drang, der jeder Zelle und jedem Organismus innewohnt, zeigt. Dabei braucht es keine zentrale Autorität, die Befehle gibt und die Entscheidungen trifft“ (Laloux 2015, S. 54). Entsprechend dieser Natur-Metapher sieht er auch Organisationen als Lebewesen, in denen der Mensch als lebendiges Element danach strebt, seine Fähigkeiten zu entfalten und seinem Umfeld zur Verfügung zu stellen. Auch wenn dieser Gedanke auf den ersten Blick neu erscheint, entspringt diese Grundhaltung dem Kerngedanken der humanistischen Psychologie, die die Grundlage zahlreicher pädagogischer und beraterischer Konzepte bildet. Insbesondere die von Carl Rogers in den 40er Jahren begründete Personzentrierte Psychotherapie scheint den von Laloux definierten organisationalen Grundbedingungen in vielen Punkten zu entsprechen. Bereits 1981 hat Rogers folgende Aussage getroffen: „Das Paradigma der westlichen Gesellschaft lautet, daß der Mensch im Grunde gefährlich ist; deshalb müsse er belehrt, geführt und kontrolliert werden. Doch unsere Erfahrung hat gezeigt, daß ein anderes Paradigma für den einzelnen als auch für die Gesellschaft weitaus effektiver und konstruktiver ist. Diese besagt, daß die Menschen, sofern ein geeignetes Klima vorhanden ist, vertrauenswürdig, schöpferisch eigenmotiviert, tatkräftig und konstruktiv sind“ (Rogers 1981, S. 103f). Um eine neue und am Menschen und seiner Entfaltung orientierte Umgebung zu schaffen, bedarf es nicht nur Führungskräfte, die diese Haltung vorleben und im Arbeitsalltag umsetzen, sondern auch Mitarbeitende, die einen entsprechenden kollegialen Umgang pflegen. Damit dies möglich wird, muss zuerst ein Klima des Vertrauens und der Sicherheit geschaffen werden – gerade in Zeiten von Corona ist diese Grundbedingung von besonderer Bedeutung.